HUGO VON HABERMANN (1849-1929)
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Biografie

Kindheit in Dillingen 1849-1858

Hugo Joseph Anton Freiherr von Habermann wird am 14. Juni 1849 in Dillingen an der Donau geboren.

Sein Vater ist der königlich-bayrische Rittmeister Philipp Freiherr von Habermann (1814-1863), seine Mutter Pauline (1820-1910) eine geborene Gräfin Leutrum von Ertingen.

Neues Textfenster Habermann über sich als Kind
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Jugend in München 1858-1870

Die Familie zieht 1858 in die geruhsame Residenzstadt München. Habermann besucht das Ludwigsgymnasium.
Er wird 1862 Schüler der königlichen Neues TextfensterPagerie am Maximilianeum, in der junge Adelige gesellschaftlichen Schliff erhalten sollen.

Schon jetzt nimmt er Zeichen- und Malunterricht.
Beginn des Jurastudiums an der Münchner Universität. Habermann bezeichnet sich als "Jurist ohne Begeisterung".

1869  Begegnungen mit Kunst

Im Münchner Glaspalast findet 1869 die 2. Internationale Kunstausstellung statt. Dort sind Bilder des Realisten Gustave Courbet und von Edouard Manet zu sehen.
In der gleichzeitigen Ausstellung Alter Meister sind Frans Hals und Rembrandt vertreten. Beide Ausstellungen beeinflussen die Münchner Kunst nachhaltig.
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Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

Habermann nimmt als Landwehroffizier 1870 am deutsch-französischen Krieg in Frankreich teil.
zum Werkverzeichnis Ährenlesende Ruth und Boas ist eines seiner ersten Gemälde.
Als Gouvernementsadjudant in der Festung Ingolstadt ist Habermann 1871 für die Betreuung der Künstler zuständig, die dort Kriegsgefangene zeichnen wollen.

Vielleicht fasst er dort den Entschluß, das Jurastudium aufzugeben und Maler zu werden.
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An der Akademie der Schönen Künste 1871-1897

Nach der Rückkehr nach München beginnt Habermann1871 mit Zeichenstunden bei Herrmann Schneider, einem Schüler des Klassizisten Moritz von Schwindt.

Am 15. November wird er als Student an der Neues TextfensterAkademie der Schönen Künste aufgenommen.
Er besucht die Zeichenklasse von Alexander Strähuber, die Naturklasse von Franz Xaver Barth, Maltechnik bei Otto Seitz und schließlich die Mal-und Komponierklasse von Hermann Anschütz.

Im Matrikelbuch der Jahrgänge 1841 - 1884 ist folgendes vermerkt:
Matrikelnummer:2728
Vorname:Hugo Freiherr von
Name:Habermann
Eintritt:15.11.1871
Ort:Aus Dillingen [an der Donau]
Stand der Eltern:dessen Vater: Gutsbesitzer
Konfession:Katholisch
Alter:23
Fach bei Einschreibung:Antikenklasse

Quelle: 02728 Hugo Freiherr von Habermann, Matrikelbuch 1841-1884,
http://matrikel.adbk.de/05ordner/mb_1841-1884/jahr_1871/matrikel-0272
(Zugriff vom 03/01/09)

Die gescannte Seite des Matrikelbuches finden Sie hier: Matrikelbücher der Akadamie der Bildenden Künste München, S. 275
 
Habermann lernt den amerikanischen Maler William Merrit Chase kennen, der als Diez-Schüler zur Leibl-Schule gerechnet wird.
Habermann selbst bleibt bei historischen Themen und malt zur DetailansichtJudith und Holofernes und die Leichenrede des Marc Anton.
 
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Meisterschüler bei Piloty 1874-1879

Habermann tritt 1874 in die Meisterklasse des gefeierten Historienmalers und Direktor der Akademie, Karl Theodor von Piloty ein.
Habermann wird 1878 Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft und beteiligt sich erstmals an Ausstellungen.
Das Schwergewicht seiner Arbeit liegt zunehmend auf der Bildnismalerei.

Versuche, Mißerfolge und Erfolge 1879-1885

Nach Abschluß seines Studiums bezieht Habermann 1879 ein Atelier in der Findlingstrasse 28/II.
Im gleichen Haus wohnt Bruno Piglheim (1848-1894).
Habermann, Piglheim und Fritz von Uhde gründen 1880 eine private Malschule, die wegen Schülermangels jedoch bald wieder geschlossen wird.

Später wird dieses erfolglose Unternehmen etwas euphemistisch als "Geburtstunde der Sezession" bezeichnet.
Unter dem Einfluss des Impressionisten Uhde hellen sich auch Habermanns Bilder auf. Er wird Mitglied der zunächst noch liberalen Künstlervereinigung Allotria.
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Naturalismus und Impressionismus 1885-1890

Das zur DetailansichtAtelier von 1885 ist das erste von drei großformatigen Genreszenen im Stil des Naturalismus.
Mit dem zweiten Bild zur DetailansichtEin Sorgenkind macht Habermann 1887 auf sich aufmerksam. Bei der Ausstellung im Glaspalast erhält er dafür eine Goldmedaille.
 
Habermann zeigt in Berlin das dritte Bild, Morgendämmerung in der Krankenstube.

Dieses Bild wird später bei einer Tombola von einem russischen Studenten gewonnen, der es in seine Heimat mitnimmt.
 
Das Sorgenkind wird in Paris ausgestellt.
 
Habermann beteiligt sich 1892 an der umstrittenen Neues TextfensterAusstellung der 24 im Berliner Salon Eduard Schultes.

Unter den modernen impressionistischen Bildern seiner Kollegen wie Uhde oder Trübner hängt sein Bildnis eines Mannes in altdeutscher Tracht (1874).

Schon ein Jahr danach gilt diese Ausstellung als Manifest der Moderne.
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1892 - Die Münchner Sezession

Die Auseinandersetzungen um den französischen Impressionismus und die provinzielle Deutschtümelei in den Münchner Ausstellungen gipfeln 1892 in der Gründung der Münchner Sezession, nach dem Vorbild des salon des indépendants in Paris.
Erster Präsident der Secession wird Bruno Piglheim, zweiter Präsident ist Hugo von Habermann.
Die erste Ausstellung der Sezession findet reges Interesse bei der Öffentlichkeit; von den staatlichen Ankäufen bleibt sie ausgenommen.
Habermann ist Jurymitglied in der Ausstellungskommission der Münchner Sezession. Er beteiligt sich 1894 an der Grossen Berliner Kunstausstellung
Habermann bezieht 1896 ein großes Neues TextfensterAtelier in der Theresienstrasse 148, wo außer ihm Fritz von Uhde, Albert von Keller, Leo Samberger, Franz von Stuck, Angelo Janck und Thomas Theodor Heine gewohnt haben oder noch wohnen.
Das Haus wird im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört.

Zum ersten Mal erscheint die Wochenzeitschrift Die Jugend in der von nun an bis 1919 regelmäßig Gemälde und Zeichnungen von Habermann abgebildet werden.

In den Ausstellungsbesprechungen erhält Habermann erstmals einhelliges Lob.
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1897 - Erste Porträtaufträge

Habermann hat 1897 mit dem Bild Salome bei der Internationalen Kunstausstellung in München großen Erfolg. Prinzregent Luitpold verleiht ihm als Anerkennung den Titel eines Professors.
 
Habermann erhält seinen ersten wichtigen Porträtauftrag:
er soll die Frau des Verlegers der Münchner Neuesten Nachrichten Thomas Knorr, Eugenie Knorr, malen.
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1897 - Begegnung mit Olga Hess

Freiherr von Habermann lernt 1897 Fräulein Olga Hess kennen, die er in den kommenden zwei Jahren sehr häufig malt. Da Olga Hess nach landläufigen Vorstellung als hässlich und unerträglich Neues Textfensterexzentrisch gilt, werden seine Bilder vom Publikum und den Kritikern abgelehnt.
 
Der wegen seiner Impressionisten-Ankäufe umstrittene Direktor der Berliner Nationalgalerie Hugo von Tschudi kauft vermutlich auf Anregung von Max Liebermann das zur DetailansichtSorgenkind für die Nationalgalerie.

Auf der Internationalen Ausstellung der Secession ist Habermann mit einigen Frühwerken vertreten.
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Der Jugendstil 1899 - 1905

Habermann wendet sich 1899 neben Olga Hess auch anderen Modellen zu und hat wieder mehr Erfolg.

Die Verleihung des Titels eines Königlichen Kämmerers und ein Orden des Königs von Württemberg sind der Anfang zahlreicher offizieller Ehrungen.
Um die Jahrhundertwende wird Habermann von der Jugendstilbewegung erfasst.
 
Habermann malt 1901 ein Bild seines Bruders Gustav mit dessen Frau und den Söhnen Philipp, der Rechtsanwalt wird und Hugo, später Maler wie sein Onkel. Die Schwägerin Habermanns stammt aus der Familie der Freiherren von Stauffenberg.
 
Ein weibliches Bildnis wird von den Münchner Sammlungen für 3000 Mark angekauft.

Habermann gilt entgültig als Neues TextfensterFrauenmaler
 
Habermann - oft für sein diplomatisches Geschick gelobt -, wird 1904 1.Präsident der Secession.

Er lernt den Hamburger Geschäftsmann und Kunstsammler Henry Simms kennen.
Simms gibt ihm einige Porträts seiner Frau Gertrud in Auftrag, weil er seine Darstellung wertvoller Stoffe und Pelze schätzt.
Insgesamt besitzt Simms zwanzig Gemälde von Habermann. Er beschreibt seine Sammlung in einem 1910 erschienen Büchlein
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1905 - Professor in München

Habermann erhält einen Ruf an die Akademie nach Stuttgart. Um ihn in München zu halten, wird ihm auch dort eine Professur angeboten.

Am 1. Dezember 1905 wird er im Alter von sechsundfünfzig Jahren Professor an der Münchner Akademie. Sein Jahresgehalt beträgt 4650 Mark.
Die Einladung sich an der Jahrhundertausstellung in Berlin 1906 zu beteiligen, ist Ausdruck der hohen Wertschätzung Habermanns Bilder.
Er stellt Gemälde aus den siebziger Jahren aus, darunter auch die zur DetailansichtDame mit dem roten Barett. Hugo von Tschudi sieht schon in diesen frühen Arbeiten impressionistische Anfänge.

In München sind in der Kunsthandlung Brakl und Thannhauser Bilder aus allen Schaffensperioden zu sehen.
Habermann wird 1909 Präsident der X. Internationalen Kunstausstellung in München.

Die Zeitschrift Die Jugend bringt im Juni anlässlich seines 60. Geburtstages eine Habermann-Nummer heraus.
In New York ist er 1909 vermutlich mit dem zur DetailansichtAtelierbild von 1885 vertreten, das sich heute im Metropolitan Museum in New York befindet.

In seinem Atelier bekommt er Besuch von Alfred Lichtwark, der ein Bild für die Bremer Kunsthalle kaufen will.
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1911 - El Greco und die Moderne

Habermann wird 1911 in die Kommission für die Sammlung der Pinakothek berufen.

Er entdeckt den Spanier El Greco als neues künstlerisches Vorbild und unterstützt Hugo von Tschudi beim Ankauf der "Entkleidung Christi" für die Pinakothek.
Seine Bilder zeigen seit dieser Zeit eine expressive und verzerrte Linienführung.

Als in Berlin Carl Vinnens Streitschrift "Ein Protest deutscher Künstler" gegen den Ankauf eines Bildes von Monet erscheint, bezieht Habermann öffentlich gegen Vinnen Stellung.

Habermann sieht die Gefahr für die Kunst aus einer ganz anderen Richtung kommen: aus der des Neues TextfensterExpressionismus, wie des Blauen Reiters.
Der Münchner Redakteur Fritz von Ostini verfasst 1912 eine Biografie über Hugo von Habermann - bis heute die einzige Biografie des Künstlers.

Die Moderne Galerie Heinrich Thannhauser zeigt in ihren Räumen in der Theatinerstraße in München 42 Werke Habermanns aus den Jahren 1873 - 1912.
Die staatlichen Kunstsammlungen in München erwerben acht Gemälde von Habermann.
 
In den zwanziger Jahren malt Habermann mehrere Bilder mit religiösen Themen: Verkündigung, Allersselen und "Der Gaukler unserer Lieben Frau" nach einer Erzählung von Anatole France.
 
Einer von Habermanns Schülern ist seit etwa 1920 Bruno Beran (1888 - 1979), der ein Porträt von seinen Lehrer und Freund malt. Auch zur DetailansichtIrene Beran, die Frau von Bruno, sitzt Habermann Modell.
Rudolf Beran über das Schicksal des Porträts von Irene Beran
 
Hugo von Habermann und Olga Hess werden am 30. Dezember 1922 auf dem Standesamt IV in München getraut. Das geht aus einer Bescheinigung hervor, die sich im Katholischen Pfarramt St. Bonifaz befindet, in dessen Einzugsbereich beide wohnten (nach freundlicher Mitteilung von Bernhard Müller Wirthmann, Dillingen).
 
Habermann zieht 1923 in die Arcostrasse 8.
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Im Ruhestand 1924 - 1929

Habermann geht 1924 in den Ruhestand
Auf seinen Wunsch erhält er die Genehmigung auch weiterhin Schüler zu betreuen und bezieht dafür ein Gehalt von der Akademie.
Die Dichterin zur DetailansichtAnnette Kolb besucht Habermann in seinem Atelier. Habermann ist krank und verlässt kaum noch das Haus. Von seinem Fenster aus blickt er auf den Glaspalast.
Am 27. Februar 1929 stirbt Hugo von Habermann im Alter von achtzig Jahren und hinterlässt Olga Freifrau von Habermann als Witwe.
 
Im Glaspalast findet 1930 eine Gedächtnisausstellung für Habermann statt.
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Quelle: http://www.hugo-von-habermann.com

Sabine Scheele, 2005 - 2011

 
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